Allgemeine Betrachtung
Als Messenger werden Programme bezeichnet, die eine sehr schnelle Datenkommunikation ermöglichen. Die Nachricht, die ein Absender verschickt, soll dem Empfänger unverzüglich angezeigt werden und nicht in einem Postfach darauf warten, irgendwann gefunden zu werden.
Die erste und auch heute noch übliche Form eines Messengers sind die 1982 eingeführten „Push-Nachrichten“. Sobald eine neue E-Mail im Posteingang erscheint, wird das dem Empfänger signalisiert.
1988 ging es weiter mit dem Internet Relay Chat (IRC). Das war „die Mutter der modernen Messenger“. Nur 11 Jahre später veröffentlichte Microsoft den Windows Live Messenger als Nachfolger des MSN Messengers, stellte aber 14 Jahre später den Dienst wieder ein, nachdem das seit 2003 erfolgreiche Internet-Telefon Skype aufgekauft worden war.
In dieser Zeit schwammen auch andere Unternehmen auf der Welle der Messenger mit. America OnLine (AOL) kaufte 1998 das zwei Jahre zuvor von einem israelischen Startup entwickelte ICQ auf, entwickelte daraus den AOL Instant Messenger AIM und verkaufte ICQ 2010 an einen russischen Investor. Das Webportal Yahoo! brachte 1998 den Yahoo! Messenger auf den Markt. Während es den Entwicklern und Startups um die Kommunikationsmöglichkeiten ging, waren die Messenger für die großen Unternehmen in erster Linie der Versuch, Kunden an sich zu binden. Vor diesem Hintergrund entwickelte auch Google 2005 den Messenger Google Talk, ergänzte ihn 2013 um Google Hangouts, stellte nach 10 Jahren Talk wieder ein und löste Hangouts 2022 durch Google Chat und Google Meet ab. Facebook (heute Meta) kaufte 2014 den seit 2009 erfolgreich gewachsenen Messenger WhatsApp auf, der durch geschicktes Marketing heute auf fast jedem Mobiltelefon vorinstalliert und dadurch seit verbreitet ist.
Bei den Messengern der großen Technologiekonzerne steht in aller Regel die Kundenbindung im Vordergrund, aber auch die Nutzung der Daten für Werbezwecke. Sie selbst werben zwar mit Datenschutz, geraten aber immer wieder wegen Mängeln gerade in diesem Bereich in die Schlagzeilen.
Die beiden Entwickler von WhatsApp, Jan Koum und Brian Acton, sind mit dem Verkauf ihres Messengers an Facebook auch als Mitarbeiter zu diesem Konzern gewechselt. Neben dem guten Teilerlös für WhatsApp bekamen sie so auch ein gutes Gehalt. Einen zweiten Teilerlös sollten sie nach vier Jahren in Form von Facebook-Aktien erhalten. Koum wartete so lange ab und kündigte kurz darauf. Acton verließ Facebook schon früher wegen ethischer Bedenken und verzichtete damit auf 850 Millionen US Dollar. Er bekannte in einem Interview mit Forbes:
„Letztendlich ist es so, dass ich mein Unternehmen verkauft habe. Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer für einen größeren Gewinn verkauft. Ich habe eine Entscheidung getroffen und einen Kompromiss. Und damit lebe ich jeden Tag.“
Neben den heute bekannteren gibt es aber auch bessere und vor allem sicherere Messenger. Brian Acton hat einen großen Teil seines Gewinns aus WhatsApp für die Entwicklung von Signal gespendet, einem Messenger, der ein eigenes Protokoll der Verschlüsselung verwendet. Der ebenfalls kostenlose Messenger Telegram verschlüsselt die Daten vom Endgerät bis zum Server, bietet aber auch „geheime Chats“ mit kompletter Verschlüsselung zwischen zwei Endgeräten an.
Während Signal einen offenen Standard verwendet, haben die meisten anderen einen geheimen. So auch Threema, einer der sichersten Messenger, dessen Dienst man auch selbst auf einem eigenen Server betreiben kann. Der Messenger Talk ist Bestandteil von Nextcloud, einer Plattform, die man ebenfalls auf einem eigenen Server betreiben kann. So behält man die volle Kontrolle über die Daten.
Die Entwicklung erscheint uns heute als anfangs langsam und dann immer schneller werdend. Und sie ist noch nicht beendet. Mit Smoke ist ein Messenger entstanden, der neben der Verschlüsselung vor allem durch die Nutzung der Blockchain-Technologie neue Möglichkeiten bietet, die Privatsphäre zu schützen. Gegenwärtig (2025) ist er nur für Android verfügbar, kann aber auch mit Goldbug auf einem PC kommunizieren.
Liste von mobilen Instant-Messengern auf Wikipedia
